"Ich rufe dich, sirr-sirr, sirr-sirr,
du liebliche Cigale!
Aus meinem Herzen klinget dir
la musique provençale.
Mein Lied will dich betören,
soll dir Liebe schwören,
auf daß im Schutz der Rinde
Liebste zu Liebstem finde!"

So klingt durch deine Träume,
wenn die Mittagssonne glüht,
aus dem Duft der Bäume
der Zikade Liebeslied.

Geträumt von Ilse

Lied der Cigale 

Das Wahrzeichen der Provence ist die Cigale, die Zikade. Genauer gesagt: es ist die Singzikade, von der es in der Provence angeblich 10 - 15 Arten gibt, die auch verschiedene Wirtsbäume bevorzugen. Ihr Gesang erfüllt die heißen Tage und erreicht in der Mittagshitze seinen ekstatischen Höhepunkt mit beachtlicher Lautstärke. Feinde der Cigale, dazu gehören nunmal etliche Touristen, reden sogar von Gehörschäden ...

Man nennt das von den Zikadenmännchen erzeugte Geräusch "Gesang", aber im Grunde genommen ist es ein sirrender Laut, der von einem eigenen Körperorgan erzeugt wird. Dieser Laut soll das Weibchen zu einer Liebesexkursion in die Bäume einladen. Das kann man beobachten, wenn man sich an die Mimikry gewöhnt hat - die Zikade nimmt nämlich die Farbe der Umgebung an, und das ziemlich schnell.

All jenen, die ihre Liebe zur Cigale (noch) nicht entdeckt haben, sei gesagt, daß die Zikaden zu den Wanzen gehören. Höre ich da laut und deutlich "igitt"? - Die Cigale ernährt sich von Pflanzensaft, dazu bohrt sie die Rinde ihrer Wirtspflanzen an, was den Bäumen nicht mal dann schadet, wenn ein Dutzend Zikaden dran saugt.

Zikaden paaren sich an Stamm und Ast ihres Wirtsbaumes, das Weibchen legt ihre Eier in der Rinde ab. Dort schlüpfen auch die Larven, fallen ab und graben sich im Boden ein, wo sie (etliche Jahre lang, eine amerikanische Art bringt es auf 17 Jahre!) sich von Wurzelsaft ernähren. Nach geraumer Zeit erscheint die Larve nach etlichen Häutungen als nymphoide Larve wieder im Tageslicht. Hier schlüpft endlich die junge Zikade, um sich in einem kurzen Leben als ausgereiftes Geschöpf - gerade mal 3 Wochen! - zu verlieben, zu paaren und Eier abzulegen.

2004 waren wir gerade zum richtigen Zeitpunkt in der Provence, um das Schlüpfen der Zikaden zu beobachten und waren tief beeindruckt von der Menge der Jungtiere, die da zum Vorschein kamen. Entsprechend laut war das Mittagskonzert, aber nach einer Weile hört man es überhaupt nicht mehr, so schnell gewöhnt man sich daran.

Eigentlich schade ...