Um den 21. Juni herum finden in allen Orten der Provence die Johannisfeste statt. Wie schon erwähnt, dienen sie vorwiegend dem Erntedank. Sie werden mit Umzügen, Wettbewerben, Tanz und Gesang und meist (aber wegen der Trockenheit und der damit verbundenen Brandgefahr nicht immer) natürlich auch mit Johannisfeuern begangen und dauern manchmal auch mehrere Tage. Wir waren schon bei vielen Festen dabei und unsere Bilder stammen aus mehreren Orten. Diese Erzählung aber soll von einem in Arles miterlebten Johannisfest berichten.

Am späten Morgen findet eine Erntesegnung statt. Da gibt es eine geweihte Flamme aus dem Kloster St. Martin du Canigou im Roussillon, an der die Teilnehmer ihre eigenen Laternen entzünden, und über Brot, Früchte, Getreide, Mehl und Nutztiere wird der Segen gesprochen. Das eigentliche Fest aber beginnt am Abend, wenn die Tagestouristen längst abgezogen sind und Ruhe einkehrt. Es sind aber auch noch viele Vorbereitungen dafür zu treffen!

Am frühen Abend versammeln sich auf dem Platz vor dem Rathaus und auf den Stufen von St. Trophîme die Teilnehmer am Fest: Tanzgruppen in Tracht, die Musiker, ebenfalls im traditionellen Anzug, und alle, die mitmachen oder nur zuschauen wollen. Die Eröffnung nimmt der Bürgermeister vor, dann wird die provençalische (nicht die französische) Hymne gesungen und anschließend beginnt die Vorführung der traditionellen Tänze. Diese sind zum Teil regelrechte Tanzspiele und erzählen auf humorvolle Art kleine Geschichten aus dem ländlichen Alltag.

Sobald es dämmert, wird von der alle zwei Jahre neu gewählten "Reine d'Arles" das Feuer entzündet und von einem Priester gesegnet. Man tanzt drumherum und springt auch darüber bzw. durch. Im Schein dieses Feuers kommen Frauen mit großen Körben. Diese enthalten Brot, das aus dem am Vormittag gesegneten Mehl gebacken wurde. Es wird in kleine Stücke gebrochen und an alle Anwesenden, einheimisch oder fremd, verteilt. Geht jemand im Eifer des Gefechtes versehentlich leer aus, teilt sein Nachbar mit ihm sein Stückchen. Und plötzlich breitet sich ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl aus - man gehört irgendwie zur gleichen Bruderschaft - das ist unmöglich zu beschreiben.

Gegen Mitternacht findet das Fest sein Ende. Das Feuer brennt langsam herunter und die Menschen finden sich in der Farandole, dem traditionellen Reihentanz, zusammen. Zum Schluß singen alle noch einmal die provençalische Hymne und dann geht man auseinander.

Und jeder trägt sein Stückchen Segen im Herzen nach Hause.