Die Provence tanzt. Der Provençale versteht es, Feste zu feiern, und zwar mit Kind und Kegel. In der Camargue sind natürlich auch die Pferde dabei, das ist klar. Verirrt sich der eine oder andere Tourist dazu, so ist er herzlich willkommen, solange er sich nicht danebenbenimmt. Meist freuen sich die Einheimischen über das Interesse der Gäste sogar.

In diesem ländlichen Gebiet, das in erster Linie von der Landwirtschaft lebt, bedeutet "feiern" auch danken. So sind die Sommer-Sonnwendfeiern eigentlich Erntedankfeste und werden entsprechend begangen. Geerntet wird nämlich fast das ganze Jahr, mitten im Winter die Oliven, im zeitigen Frühjahr wird das Öl gepreßt und April/Mai kommen schon die ersten Gemüse und Feldfrüchte, auch schon das zeitige Obst, im Juni/Juli sind die Melonen dran und es dauert nicht mehr lange bis zum Wein. Auch das Getreide wird jetzt schon geschnitten. All das gibt Grund genug zum Feiern. Im Sommer allerdings ist Pause; er ist zu heiß und trocken, da gedeiht nichts mehr. Erst im Herbst fangen wieder die Arbeiten an, wenn die große Hitze vorbei ist.

Von Bedeutung sind natürlich auch Pferdefeste, wie die Ferrade, das Mustern und Versehen mit den Brandzeichen, oder Wettbewerbe, z.B. das Ausmustern und Treiben von Kälbern zu Pferd oder Geschicklichkeitsfahren der Gespanne. Nicht zu vergessen ist auch die jährliche "offrande", das Blumenopfer für den Rhône. Und auch der Fluß ist Bühne; etliche Wasserfeste stehen ebenfalls auf dem Programm. Ach ja, und die Wahl der "Reine d'Arles", der Königin von Arles, alle zwei Jahre. Sie ist die Charmeoffensive im Tourismus und die Ansprüche an die Kandidatinnen sind extrem hoch.

Alle diese Veranstaltungen sind in der Camargue buchstäblich Familienfeste; die Dorfgemeinschaften arbeiten zusammen und nach den Bewerben gibt es ein großes gemeinsames Futtern. Fremde sieht man, je nach touristischer Bedeutung des Veranstaltungsortes natürlich, dabei kaum und wir haben uns am Anfang oft etwas unsicher gefühlt. Bald aber haben wir festgestellt, daß wir mit offenen Armen aufgenommen wurden.

Zu guter Letzt beginnen Anfang Juli die ersten Courses, das sind die einheimischen Stierspiele, nicht zu verwechseln mit den Ferias, den spanischen Stierschlächtereien. Letztere kamen erst mit der spanischen Frau Napoleons III., Eugénie, ins Land, weil sie leider nicht darauf verzichten konnte oder wollte. Sie gehören absolut nicht zu den Traditionen des Midi! Sie finden zwar auch Anklang, vor allem bei den Reiseveranstaltern im Ausland und deren Kunden, aber bei der Bevölkerung beliebter sind die Courses und die kleinen Buben träumen davon, als Razeteur (nicht als Toreador!) Erfolge zu feiern.

Der offizielle Veranstaltungskalender "Farandole" kommt gegen Ende jeden Monats für den Folgemonat heraus und liegt in allen Offices de Tourisme und fast allen Trafiken (Tabac) zur Gratismitnahme auf.
Leider gibt es keine fremdsprachige Ausgabe, Französischkenntnisse werden wie fast immer vorausgesetzt.

Zwei dieser Feste wollen wir auf den nächsten Seiten näher beschreiben: ein Johannisfest und eine Course camargaise.